Stil

Im Kobukan Dojo Kaiserslautern wird mit Matsumura Kenpo eine traditionelle Kampfkunst zur Selbstverteidigung aus Okinawa gelehrt. Okinawa ist die Herkunftsinsel für die hier praktizierte Urform des Karate & Kobudo. Sie liegt südwestlich von Japan, etwa 750km vor der chinesischen Küste im Ostchinesischen Meer. Dort fand das Kenpo vor mehreren Jahrhunderten seinen Ursprung und hat sich als wirkungsvolle Kampfkunst zur Selbstverteidigung etabliert. Diese hohe Kunst der Selbstverteidigung kann prinzipiell unabhängig von Alter, Geschlecht & Statur von jedem erlernt werden.
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Es kommt viel mehr auf Technik & Geschwindigkeit an als auf Kraft oder körperliche Dominanz, was wiederum typisch ist für die weit verbreiteten Wettkampfsportarten. Voraussetzung zum Erlernen der Kampfkunst ist hingegen die richtige geistige Einstellung – also Geduld & Lernbereitschaft – und vor allem natürlich intensiv regelmäßig zu üben. Macht & Ego haben keinen Platz.

Alle hier im Dojo geübten Techniken sind immer an den individuellen Fitnessstand angepasst. Die verschiedenen Übungsgruppen sind dabei recht klein gehalten. So stehen die einzelnen SchülerInnen weit mehr im Fokus als bei großen Trainingseinheiten.

Auf dem Übungsplan stehen zunächst vermehrt das “Körpergedächtnistraining“ Kihon Waza mit vielen Dachi-Übungen & Ukemi, sowie natürlich das Herz der Kampfkunst, die Kata. Im Laufe des Schülerweges wird der generelle Bunkai-Fokus hier im Kobukan Dojo Kaiserslautern individuell stetig erhöht und es wird versucht, die Selbstverteidigungsszenarien so realitätsnah wie möglich zu lehren & üben. Außerdem steht das regelmäßige Üben in Kobudo auf dem Lehrplan, insbesondere Bo, Nitan-Bo & Kama, aber auch Tonfa, Sai & Eku.


Tomosada Kuda Shinshii (*1950)


Yuichi Kuda-O'shinshii (1929 - 1999)


 

In ganz Europa, das heute von den Direktoren Sensei Karl-Heinz Johna und Sensei Thomas Leonhard verwaltet wird, gibt es nur noch zwei weitere Dojos. Der Verein in Landstuhl wurde in den 1970er Jahren von Peter König und Werner Klein ins Leben gerufen. Auch der Kontakt nach Okinawa wurde von ihnen initiiert.

Heute steht der Landstuhler Verein unter der alleinigen Leitung von Sensei Johna. 1998 wurde im hessischen Bischofsheim von Sensei Leonhard ein weiteres Dojo eröffnet.

 

 


O’shinshii und sein Sohn Tomosada bei einer Kata-Vorführung auf Okinawa

Das Kobukan Dojo ist Teil des Matsumura Kenpo-Verbandes, der von dem schnellen & geschmeidigen Stil von Kaicho Tomosada Kuda geprägt ist. Er wurde 1950 auf Okinawa geboren, wo die Kuda-Familienhistorie eine lange Samurai-Tradition als Diener der Krone hat. Seit seiner Kindheit wurde er von seinem Vater, Yuichi Kuda-O’shinshii, und dem legendären Hohan Soken unterrichtet. Tomosada Kuda Shinshii trat nach O’shinshii’s Tod im Jahre 1999 dessen Erbe an. Seine Okinawa Matsumura Kenpo Karate & Kobudo Association ist als relativ kleiner Verband aufgezogen. Es gibt neben Shinshii’s Honbu-Dojo auf Okinawa nur noch Orte in den USA & in Europa. Diese Regionen werden von mehreren Direktoren verwaltet. Der Vorteil dieser kleinen Verbandsstruktur liegt darin, dass Shinshii all seine Schüler regelmäßig persönlich auf Seminaren unterrichten kann.


Hohan Soken (1890 - 1982)

Sensei Marwin Hamadeh, seit seiner frühen Kindheit ihr Schüler, gründete 2009 das Dojo in Kaiserslautern. Inzwischen gibt es drei verschiedene Erwachsenen-Gruppen ab 16 Jahren an mehreren regelmäßigen Terminen in der Woche. Parallel zum täglichen Übungsbetrieb bietet Sensei Hamadeh auch spezielle Selbstverteidigungs-Seminare für Frauen & Jugendliche an. Hier wird versucht, den TeilnehmerInnen ein Mini-Überblick zu den Themen Selbstverteidigung & Prävention zu verschaffen. Auch wenn dies natürlich niemals das regelmäßige intensive Üben ersetzen kann, wird dennoch versucht zu vermitteln, dass man keinesfalls völlig wehrlos ist und dass potentielle Gefahren oft vermeidbar sind, wenn sie frühzeitig erkannt werden.

2010 ernannte Sensei Hamadeh mit Marko Gerhard einen langjährigen Schüler des Matsumura Kenpo zu seinem ersten Shidouin hosa für sein Dojo. Mittlerweile unterrichtet er mehrere weitere Meisterschüler, die teilweise schon seit Dojo-Gründung dabei sind.


Karate in seiner ursprünglichen Kampfkunstform entstand vor ca. 600 Jahren auf Okinawa und hatte die Bezeichnung Tode oder Okinawa-Te. Kulturelle Gemeinsamkeiten und enge Kontakte zum alten China führten dazu, dass Karate stark vom chinesischen Kung Fu beeinflusst wurde. Zu dieser Zeit gab ein Meister sein Wissen und Können meist nur an einen einzigen Schüler weiter und es war ein großes Privileg, in der Okinawa-Kampfkunst unterrichtet zu werden.

Gemeinhin wird Tode Sakugawa als erster Karateka überhaupt angesehen. Er wurde von der chinesischen Legende Kusanku unterrichtet und vermischte als Erster dessen Prinzipien des Chinesischen Kenpo mit der Okinawa-eigenen Kampfkunst, die sich vorher selbstständig entwickelte.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Techniken dann von Soken Matsumura – letzter und bedeutendster Schüler von Tode Sakugawa – in ein System gepackt und es formte sich u.a. die Shorin-Schule. Soken Matsumura gilt als Gründervater des Shorin-Ryu und ist schon lebend zur Legende geworden. Geboren wurde er als Soken Kayo und wurde früh der Leibwächter des Königs. Zur damaligen Zeit war es auf Okinawa Brauch, seinen Namen zu ändern, wenn einem solch eine große Ehre zu Teil wurde. Aufgrund seines guten Charakters und seinen überragenden kämpferischen Fähigkeiten wurde Soken Matsumura von seinem König etwas später auch noch der Bushi-Titel verliehen. Bushi bedeutet übersetzt so etwas wie Gentleman-Krieger. Damit drückte er seinen tiefen Respekt vor seinem Beschützer aus. Heute wird der Vater des Matsumura Kenpo-Stiles häufig nur als Bushi Matsumura erwähnt.

Bushi Matsumura hatte ein gutes Dutzend Schüler. Einer seiner besten und engsten war sein Enkel Nabe Matsumura. Dieser lebte nach der traditionellen Vorstellung, dass das Wissen in der Kunst der Verteidigung exklusiv an Familienmitglieder weitergegeben werden durfte. So wurde sein Neffe Hohan Soken sein einziger langjähriger Schüler.

Hohan Soken wiederum unterrichtete seine fünf vertrauten Schüler noch bis ins hohe Alter von 88 Jahren. Einer dieser Schüler war der Gründer des Matsumura Kenpo-Verbandes, Yuichi Kuda-O’shinshii.


Tode Sakugawa (1733 – 1815)


Soken „Bushi“ Matsumura (1797 – 1889)


Nabe Matsumura (1860 - 1930)